Verleihung DJK-Ethik-Preis des Sports 2011
In einem bewegenden Festakt ist am 11. April 2011 in Berlin der DJK-Ethik-Preis des Sports an die ehemalige DDR-Weltklassesprinterin Ines Geipel sowie an den Mainzer Olympiaforscher Prof. Norbert Müller verliehen worden.
„Emotional und authentisch.“, kommentierte DJK-Präsident Volker Monnerjahn die Veranstaltung. Er sieht die doppelte Preisvergabe an ein staatlich anerkanntes Dopingopfer sowie an den Vizepräsidenten des Welt-Fairplay-Komitees als einen Appell an den deutschen Sport, aus der Geschichte zu lernen und die Manipulation am Menschen auch im Sport entschieden zu ächten.
„Der Preis bedeutet mir sehr viel.“, sagte Ines Geipel bei der Preisverleihung in der Katholischen Akademie. Er sei auch eine Anerkennung einer mehr als zehnjährigen Arbeit von Dopinggeschädigten im Hinblick darauf, was der Sport in der DDR gewesen sei. In ihrer Rede gab sie erstmals öffentlich sehr persönliche Erfahrungen mit der Staatssicherheit preis und wehrte sich gegen persönliche Verleumdung. In Anwesenheit der 180 geladenen Gäste, darunter auch eine Gruppe von Dopingopfern, gedachte Ines Geipel der ehemaligen Cottbuser Hürdenläuferin Birgit Uibel, die 2010 im Alter von nur 48 Jahren verstorben war und durch Zwangsdoping schwere Gesundheitsschäden davongetragen hatte. „Ich bin Ihnen, Herr Monnerjahn, sehr dankbar, dass Sie das Gespräch über die Schadensbilanz der DDR-Diktatur offenhalten.“, so Geipel.
„Ines Geipel wollte wahrnehmen, was andere übersehen.“, sagte Joachim Gauck in seiner Laudatio an die heutige Professorin der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. „Es ist die Wahrnehmung, die immer vor der Wahrheit kommt.“, so der ehemalige Beauftragte für die Stasi-Unterlagen.
Fehlentwicklungen im Sport erkennen und das Fair Play im Sinne der olympischen Bewegung fördern – das ist das Forschungsgebiet, auf dem sich der weitere DJK-Ethik-Preisträger, Professor Norbert Müller, international einen Namen gemacht hat. Noch heute will der Mainzer junge Menschen für den Beruf des Sportlehrers begeistern. „Zentral ist dafür die von Coubertin postulierte olympische Wertevermittlung von Fair Play, gegenseitige Achtung, Freundschaft, Solidarität, Internationalismus und sportlicher Selbsterfahrung, wobei letztere für mich ihre Grenze im humanen Leistungssport hat.“, sagte der Mainzer Sportwissenschaftler in seiner Dankesrede. Dazu gehöre auch der Sport mit sozial benachteiligten Gruppen, immer noch fehlenden Angeboten in Altenheimen oder die Gleichstellung von behinderten Menschen.
Kurienbischof Dr. Josef Clemens (Rom) würdigte in seiner Laudatio auch die Arbeit von Prof. Norbert Müller als Verantwortlichen für den Sport im Päpstlichen Laienrat und für den Arbeitskreis Kirche und Sport. „Professor Norbert Müller hat die Anstöße und Erwartungen, die das Zweite Vatikanische Konzil unter dem Begriff ‚Laienapostolat’ zusammengefasst hat, rezipiert und sie in sein persönliches und berufliches Leben übersetzt.“, sagte Bischof Clemens.
Der katholische DJK-Sportverband verleiht den DJK-Ethik-Preis des Sports seit 1992 an Personen, die sich durch besonderes Vorbild, durch besondere Förderung sportlich fairen Verhaltens oder durch Aussagen und Arbeiten in der christlich orientierten Sportethik auszeichnen.
Bildtext: vlnr. DJK-Präsident Volker Monnerjahn, Laudator Joachim Gauck, Preisträgerin Prof. Ines Geipel, Preisträger Prof. Norbert Müller, Laudator Bischof Dr. Josef Clemens
Autor: Jutta Bouschen
Pressesprecherin u. Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
DJK-Sportverband
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